M'OCEAN Blog

Mit Celebrity Millennium von Hongkong nach Tokyo

Robert Liersch - 12. April 2017 - Asien, Celebrity Cruises, M'OCEAN auf Reisen, Kunden-Reiseberichte

Tag 1 - Ankunft und Nachtleben in Hongkong

 

 

Die Lufthansa landet pünktlich in Hongkong und siehe da, auch das Gepäck unserer Berliner und Hamburger Gäste hat es trotz deren recht kurzen Umstiegszeit in Frankfurt (bedingt durch eine Flugverspätung) geschafft. Also gehen wir nun gemeinsam Richtung Ausgang, wo uns unsere Reiseleiterin Conny bereits erwartet. In einer knappen Stunde fahren wir zum Kai Tak Cruise Terminal und sind nach dem schnellen Einchecken auf unseren Kabinen. Die Koffer werden kurze Zeit später nachgeliefert, so dass sich jeder nochmal frisch machen kann, bevor es zum Abendessen geht.
Die Celebrity Millennium liegt heute Nacht sozusagen als Hotelschiff in Hongkong. Was liegt also näher, als sich nochmal ins Nachtleben zu stürzen!
Ein kostenloser Shuttle Bus bringt uns vom Hafen bis zum Diamond Hill, von wo aus Busse oder U-Bahnen in alle Richtungen der Stadt unterwegs sind (umgerechnet nur ca. 1,- EUR pro Fahrt). Wir entscheiden uns für die U-Bahn Richtung Norden, denn wir wollen den Nachtmarkt mit seinen vielen Verkaufsständen besuchen - die Schnäppchen warten schon!
An der Station Mong Kok steigen wir aus - und laufen erst mal in die falsche Richtung. Ein freundlicher Chinese bringt uns aber schnell auf den richtigen Weg zurück, und so finden wir uns bald mitten im absoluten Trubel wieder. Die ganze Stadt scheint heute auf den Beinen zu sein - es ist Samstagabend - und viele Karaoke "Künstler" bieten auf der Straße ihre Gesangskünste in großer Lautstärke dar, unterstützt von begeisternd klatschenden Chinesen drum herum. Auch das ein oder andere Tanzbein wird geschwungen. Alle 10 Meter weiter singt dabei jemand anders, und dieses Durcheinander muss man einfach mal gehört und erlebt haben!

Ladie's Market ist quasi um die Ecke und hält von Bekleidung, über Handtaschen bis hin zu Spielzeug eine riesige Auswahl an mehr oder weniger begehrenswerten und nicht immer ganz echten Artikeln bereit. Handeln ist hier unbedingt Pflicht!   
Richtung Schiff geht es dann zunächst wieder mit der U-Bahn, und anschließend mit dem Taxi. Zwei Personen auf die Vorderbank neben den Fahrer, drei hinten - das ist ein kuscheliger Spaß! Und mit umgerechnet keinen 10 EUR ist auch Taxi fahren in Hongkong durchaus preiswert.

 

 

Tag 2 Ausflug - Wong Tai Sin Tempel und Chi Lin Nonnenkloster mit Nan Lian Garden

 

 

Der Anspruch des Wong Tai Sin Tempels, quasi jeden Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen, könnte seine Beliebtheit erklären. Bereits 1915 wurde er errichtet und seitdem beherbergt er ein heiliges Portrait des Mönches, der dem Tempel seinen Namen gab. Beeinflusst wurde dessen Bau durch die drei Religionen Taoismus, Buddhismus und Konfuzianismus. Seine traumhafte Lage inmitten des Häusermeers und die wundervoll verzierten Gebäude machen den Tempel gleichermaßen zu einer malerischen Sehenswürdigkeit und zu einem bedeutenden religiösen Zentrum. Hier wird mit Opfergaben um Glück, göttliche Führung und Weissagung gebeten. Wünsche gehen hier, wie gesagt, umgehend in Erfüllung, und so hoffen wir natürlich alle auf einen tollen Verlauf unserer kommenden Kreuzfahrt. 

In einer kurzen Fahrt geht es weiter zum Nonnenkloster Chi Lin - einer Oase der Ruhe! Es ist ein großer Tempelkomplex mit eleganter Holzarchitektur, liebevoll gehüteten buddhistischen Relikten und die Seele besänftigenden Lotusteichen. Die Anlage beinhaltet außerdem eine Reihe von Tempelhallen, in denen einige Statuen aus Gold, Ton oder Holz die unterschiedlichen Gottheiten repräsentieren.

Der angrenzende, friedvolle Nan Lian Garten ist ebenfalls im Stil der Tang Dynastie angelegt. Jeder Hügel, Felsen, jedes Gewässer, jede Pflanze, jeder Strauch wurde nach den speziellen Regeln und Methoden des Feng Shui angelegt. Vom Jahrhunderte langen Lauf des Wassers geformte Steine sind das Symbol dafür, dass auch etwas Weiches (wie Wasser) etwas Hartes (wie Stein) formen kann - wenn man ihm ausreichend Zeit dazu gibt. Alte Bäume und kunstvoll geschnittene Sträucher geben dem Ganzen einen würdigen Rahmen.
 Ein goldener Pavillon mit zwei roten Brücken stellt das Herz des Gartens dar. Hier könnte man sich wirklich Stunden lang aufhalten, um dem Plätschern des Wasserfalls, der leisen chinesischen Musik aus den Lautsprechern, oder auch dem Vogelgezwitscher zu lauschen - ein fast magischer Ort.

Schwer beeindruckt von dieser Gartenanlage fahren wir in den Stadtteil Tsim Sha Tsui, wo ein überaus leckeres Mittagessen auf uns wartet. Gabi und Susan, unsere beiden Reiseleiterinnen, bestellen für uns viele kleine Köstlichkeiten, wie Küchlein aus Teig in Form eines Oktopusses und gefüllt mit roter Bohnenpaste, unterschiedliche Dim Sums, gebackene Ente und Huhn, oder ganz kross gebratenen Schweinebauch, der in kleine Würfel geschnitten köstlich schmeckt. Dazu trinken die meisten Jasmin- oder Pu Erh-Tee (ein Bier oder Cola solla ber auch ganz gut dazu schmecken, habe ich mir sagen lassen) und genießen den schönen Ausblick durch die großen Fenster auf den gegenüber gelegenen Stadtteil Victoria.

Heute konnten wir das quirlige Hongkong mal ganz anders erleben und danken Gabi und Susan sehr für diese besonderen Einblicke.

 

 

Tag 3 - ist ein Seetag

 

 

Manche von uns nehmen an einer Küchenführung teil, bei der uns die unglaubliche Logistik erklärt wird, die hinter den leckeren Speisen steckt, die uns jeden Tag aufs Neue serviert werden. Auf Hygiene wird dabei größter Wert gelegt. So darf beispielsweise keine Speise länger als 4 Stunden auf dem Buffet oder im öffentlichen Bereich verbleiben und muss nach dieser Zeit entsorgt werden.

Andere Gäste wiederum genießen das schöne Wetter und sonnen sich an Deck im Südchinesischen Meer.

 

 

Tag 4 - Keelung und Taipei

 

 

Keelung ist der Hafen von Taipei, der Hauptstadt Taiwans, und empfängt uns leider mit Regen. Das ist für Keelung jedoch nichts Besonderes, denn es regnet hier weit über 200 Tage im Jahr.  Unsere Reiseleiterin Syndia empfängt uns in gutem Deutsch und erzählt uns auf unserer Fahrt so manche Anekdote aus dem täglichen Leben der Taiwanesen. Wer hätte beispielsweise schon  gewusst, dass sich die Müllautos in Taipei mit Beethovens "Kleiner Nachtmusik" ankündigen? Wenn also auf den Straßen die "Keine Nachtmusik" über Lautsprecher ertönt, wird es höchste Zeit den Abfallbeutel runterzubringen!

Nach etwa einer Stunde kurzweiliger Fahrt sind wir im Zentrum Taipeis angekommen und besuchen zuerst den Longshan Tempel. Hier "platzen" wir mitten in einen Gottesdienst herein, doch die vielen Menschen scheinen sich über unseren Besuch und damit unser Interesse an ihrer Kultur sehr zu freuen. Ein Mönch und mehrere Nonnen singen und beten vor dem Hauptaltar, was über Mikrofon im ganzen Tempel übertragen wird. Viele Gottesdienstbesucher singen mehr oder weniger kräftig mit und lesen dabei den Text aus einem Buch ab - ist doch fast wie bei uns zu Hause! 
Räucherstäbchen werden angezündet und dann in große, mit Sand gefüllte Bronzeschalen gesteckt, wo sie langsam vor sich hin glimmen und die ganze Umgebung in einen süßlichen Geruch tauchen. Opfergaben in Form von Obst und Gemüse werden auf großen Tischen ausgebreitet, gesegnet, und anschließend zum Verzehr mit nach Hause genommen. Eigentlich hätten wir noch etwas länger im Tempel verweilen können, doch der nächste Programmpunkt wartet schon, den wir nicht versäumen möchten:

Um 10 Uhr findet die Wachablösung in der Chiang Kai-shek Gedächtnishalle statt!
Also schnell mit dem Bus dorthin gefahren und dieses Schauspiel angeschaut. Das gesamte Gebäude erinnert an den Baustil früher ägyptischer Pyramiden und ist auch etwas dem Himmelstempel in Peking nachempfunden. Es erhebt sich majestätisch inmitten eines großen Platzes, den dessen unteren Ende zu beiden Seiten die Konzerthalle und das Nationaltheater stehen.
Doch von der eigentlichen Halle des Volkshelden, der als meterhohes Denkmal auf einem Stuhl sitzend thront, trennen uns noch 89 (seinem erreichten Alter entsprechend) Stufen.  Dann geht es los mit der "Show". Es ist schon erstaunlich, mit welcher Präzision und Synchronität die unterschiedlichsten Bewegungen von den Soldaten ausgeführt werden. Manches wirkt dabei vielleicht etwas übertrieben, doch alle nehmen es äußerst ernst und man merkt ihnen an, wie stolz sie sind, Teil der Zeremone zu sein.  

Weiter geht es zum berühmten, ehemals höchsten Gebäude der Welt, dem Taipei 101. Wir nehmen einen der schnellsten Aufzüge der Welt und landen in 40 Sekunden in der 89. Etage dieses beeindruckenden Bauwerks. Insgesamt verfügt er über 101 Stockwerke - wie sein Name schon vermuten lässt. Sein Baustil ist dem eines Bambusstabs nachempfunden. Wie dieser soll er sich bei Wind und Wetter -eventuelle Erdbeben eingeschlossen - zwar leicht neigen, doch nicht brechen. Den Höhepunkt der Ingenieurskunst stellt eine 660 Tonnen schwere Metallkugel dar, die im Innern des Turms an dicken Stahlseilen aufgehängt wurde. Diese sind wiederum an einer Konstruktion befestigt, die auf riesigen Stoßdämpfern gelagert ist. Das ganze wirkt oszillatorisch dämpfend (Danke Christoph!), und gleicht somit alle eventuellen Bewegungen des Turms aus- ziemlich genial! Das Ganze kann man denn auch eine Etage tiefer im 88. Stock bewundern.
Natürlich genießen wir auch den Blick über die Stadt, der jedoch ab und zu von vorbeigleitenden Wolken etwas getrübt wird.  

Durch einen Laden voller Schmuck, Edelsteine und anderer Kostbarkeiten geht es zurück zum Aufzug und wer schon im 5. Stockwerk aussteigt, kann sich auf den restlichen Etagen nach unten noch der Kauflust in internationalen Marken-Boutiquen und Geschäften hingeben.

Gegen Mittag fahren wir in den Norden Taipeis zum Nationalen Palastmuseum. Dort gibt es erst einmal ein wieder überaus leckeres Mittagessen. Achtung: Die Suppe kommt hier quasi mittendrin, um noch etwas Platz für die nachfolgenden Gänge zu schaffen, und der Reis sollte sparsam genossen werden, denn er dient wirklich nur als Sättigungsbeilage, was bei der Anzahl der servierten Speisen nicht wirklich notwendig ist!
Wir haben also genügend Energie getankt, um in "Taiwans Schatzkammer", wie das Museum auch genannt wird, die nächsten Stunden ohne Nahrungsaufnahme durchhalten zu können. Doch erstens kommt es anders...., doch dazu später mehr.

Das Museum beherbergt die weltweit größte Sammlung chinesischer Kunstwerke von unschätzbarem Wert. Allein eine einzige Tasse ersteigerte ein chinesischer Geschäftsmann auf einer internationalen Auktion im vergangenen Jahr für umgerechnet 30 Millionen Euro - das Museum besitzt vier davon! Und weitere 620.000 Objekte aus den letzten fünf Jahrtausenden der chinesischen Geschichte warten darauf, besichtigt zu werden. Klingt wie ein Marathon, ist aber gut zu bewältigen, wenn man sich in die Hände eines so guten Guides wie unserem begibt, der sich auf die wichtigsten Exponate und deren Erklärungen konzentriert. Danke Syndia!
Das ist auch der Grund, warum viele von uns in ihrer einstündigen "Freizeit" nicht noch weiter durchs Museum gezogen sind, sondern sich mit dem Besuch der Cafeteria begnügt haben - das ein oder andere Stück Kuchen inklusive...

Im Anschluss fahren wir wieder nach Keelung zurück, wo unser heutiger Ausflug endet. Zumindest der offizielle Teil, denn kurz darauf treffen sich einige von uns wieder um gemeinsam den Nachtmarkt zu besuchen.  Nur 10 Minuten zu Fuß vom Schiff entfernt, beginnt hier eine andere Welt. Von Schlafanzügen für Kinder bis hin zu allerlei Krimskrams findet man hier vieles. Doch hauptsächlich ist es ein Ort, an dem man sehr gut und sehr günstig in die kulinarische Vielfalt Taiwans eintauchen kann. Riesige Austern, Ochsenfrösche oder Hühnerhälse sind dabei sicher etwas exotische Gerichte, doch auch für unseren Geschmack sind durchaus sehr leckere Sachen dabei. Einfach probieren!

 

 

Tag 5 - Ausflug ins Bergdorf Shifen

 

 

Heute fahren wir in knapp einer Stunde in das Bergdorf Shifen. Auf dem Weg dahin gibt es einen Stau, da es in einem Werkstatthaus gebrannt hat und die Feuerwehr gleich mit mehreren Löschfahrzeugen zur Stelle ist. Syndia spricht unsere Gedanken aus: hoffentlich wurde dabei niemand verletzt!

Auf dem weiteren Weg durch üppiges Grün erfahren wir mehr über die einheimischen Bergvölker, bei denen es bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts noch Kopfjäger gab! Als Zeichen ihres Erfolgs wurde den Männern Tätowierungen angefertigt, und zwar weithin erkennbar im Gesicht! Je mehr Tätowierungen ein Mann also trug, desto größer war auch seine Chance eine Frau zu finden, denn er galt als mutig und furchtlos. Anders herum sank diese Wahrscheinlichkeit entsprechend. Mit der Besatzung durch die Japaner wurde die Kopfjagd verboten, was einige Ureinwohner jedoch nicht davon abhielt, weiterhin heimlich Tätowierungen anzufertigen, denn schließlich waren die Frauen ja daran gewöhnt, sich so einen Mann auszusuchen. Andere Länder, andere Sitten....

Am Ziel angekommen, wollen wir zuerst einen kleinen Spaziergang zum Shifen Wasserfall unternehmen. Dieser ist zunächst größer als von den meisten erwartet und wird von den Einheimischen auch mit den Niagara Fällen verglichen. Nun, ganz kann er da sicher nicht mithalten, aber es ist schon ziemlich imposant, diese Wassermassen halbmondförmig über eine Höhe von etwa 30 Metern hinabstürzen zu sehen. Durch den ausgiebigen Regen der letzten Tage führt er auch eine Menge Wasser mit sich. Die Gischt legt sich dabei wie ein leichtes Tuch über das Tal und macht das Fotografieren nicht gerade einfach. Über mehrere Hängebrücken hinweg geht es dann entlang des Keelung Flusses zurück zum Bus.

Nach nur fünf Minuten Fahrt erreichen wir das Dorf Shifen. Nach Beendigung des Kohlebergbaus in dieser Gegend hat sich das Dorf auf eine weitere Tradition besonnen und fertigt in vielen Betrieben nun die großen Himmelslaternen aus Papier. Natürlich gibt es sie in allen Farben, denn diese gelten ja als Symbol für zum Beispiel Glück, Gesundheit oder Reichtum.
Auch wir dürfen in Gruppen von je vier Personen uns eine Lampe aussuchen und dann mit Pinseln und Tusche bemalen, bzw. unsere Wünsche  darauf schreiben. Nach dieser durchaus ernst genommenen Prozedur wird die Himmelslaterne von allen Seiten zusammen mit uns "Künstlern" fotografiert und anschließend mit Hilfe einer angezündeten Brennpaste und der dadurch entstehenden Heißluft in den Himmel entlassen. Schnell steigt sie nach oben und ist noch lange mit bloßem Auge zu erkennen. Wie weit sie wohl fliegen wird?  

Das Dorf befindet sich entlang einer Bahnstrecke und die Gleise dienten uns auch als prima Startrampe für unsere Laterne. Doch plötzlich blinkende Lichter überall und ein greller Pfiff - ein Zug fährt durch! Klingt aber vielleicht gefährlicher als es ist, denn alle finden genügend Zeit um die Strecke zu räumen, und der Zug ist auch eher ein Bummel- als ein Schnellzug. Fröhliches Winken und Fotografieren ist also angesagt.

Einer unserer jüngeren Mitreisenden (es waren insgesamt sieben Jugendliche in unserer Reisegruppe dabei) hat am Morgen noch nichts gefrühstückt und entdeckt auf dem Rückweg zum Bus plötzlich leckere Squid-Balls am Spieß an einem der Essensstände. Nachdem man sich über den Preis einig ist, werden die Bällchen noch mit einer Salz-Chili Mischung gewürzt. Schmeckte super - bis er erfuhr WAS er da gerade isst: Tintenfisch! Plötzlich ist der Appetit dann nicht mehr ganz so groß, aber nach einiger Überzeugungsarbeit hat er dennoch tapfer aufgegessen!
Was der Kopf nicht alles ausmacht...  

 

 

Tag 6 - Okinawa, Japan

 

Okinawa empfängt uns mit Sonnenschein... und freiem WLAN im Hafenterminal! Das macht die Einwanderungsformalitäten der japanische Behörden zur Nebensache. Das Hamburger Abendblatt wird aufs I-Pad heruntergeladen, E-Mails gecheckt und die Whatsapp Nachrichten der Kinder und Enkel überprüft bzw. beantwortet. Nachdem dies alles erledigt ist, geht es Richtung Ausgang, wo eine freundliche Japanerin uns mit den Worten "Guten Morgen" begrüßt und zum Bus geleitet. Sie ist unser Guide für diesen Tag und ihre Erklärungen zu Land und Leuten folgen ab diesem Zeitpunkt in Englisch. Also heißt es übersetzen....
Sie stellt sich uns als Kumiko vor, was so viel heißt wie "der ewig glänzende Tiger unter dem Dach". Schön, nicht?

Unser erstes Ziel heute ist das Shurijo Castle. Ein Schloss, in dem die ehemaligen Kaiser des Ryukyu-Reiches ihren Wohn- und Regierungssitz über Jahrhunderte hinweg hatten. Leider wurde dieses Gebäude, wie auch fast die gesamte restliche Stadt 1945 im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs von den Amerikanern in Schutt und Asche gelegt. Somit besichtigen wir also heute  überwiegend  ein wieder aufgebautes Schloss. Dennoch wurden die wenigen noch erhaltenen Teile zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt, die wir uns natürlich auch anschauen. Darunter ist eine etwa 20 Meter lange Wasserleitung aus Steinrohren, die im Inneren eines Berges beginnt, und bis heute qualitativ hervorragendes Wasser in einen Brunnen leitet. Durch diesen Brunnen wurde vor etwa 500 Jahren sogar eine ganze Stadt versorgt.
Im Schloss selbst erwarten uns sehr zurückhaltend gestaltete Räumlichkeiten. Wir besichtigen nur mit Tatami-Matten ausgelegte Zimmer, in denen der Tenno früher geschlafen, gearbeitet und gewohnt hat. Einzig das Thronzimmer ist in uppigem Rot und Gold gehalten, und der ebenfalls rot lackierte Thron bildet den Mittelpunkt. Wenn man dies mal mit unserem Mittelalter vergleicht, dann konnte man sich damals in Japan wohl ungleich besser aufs Nachdenken und Herrschen konzentrieren. Nichts lenkte ab.

Ablenkung ist beim nächsten Ziel angesagt: Der Markthalle. Quietschig bunt ist es hier überall! An über 400 Ständen verkaufen Händler alles für den täglichen Bedarf, aber auch Souvenirs aller Art. In einer speziellen Abteilung gibt es allerlei exotische Leckereien aber auch Kurioses: Kugelfische mit Sonnenbrille, damit sich von denen in anderen Auslagen unterscheiden und Aufmerksamkeit erregen. Und die abgezogene und getrocknete Haut von Schweineköpfen, die als Delikatesse angepriesen wird. Guten Appetit!

Apropos Appetit: Den hatten wir bei unserem vorangegangen Mittagessen und es hat wieder einmal alles köstlich geschmeckt! Gut, man braucht vielleicht etwas Überwindung um marinierte Algen zu essen (die natürlich unglaublich gesund sind), aber gut geschmeckt haben sie auch - meinten zumindest die meisten von uns. Doch es war für jeden Geschmack etwas dabei, und so sind auch alle gut satt geworden.

Unser nächstes Ziel ist ein Shinto Schrein, der Naminoue-gu. Unsere Reiseleiterin Kumiko weiht uns vorher ausführlich in das Ritual des Opferns ein und hat für jeden von uns auch schon eine glücksbringende 5 Yen Münze besorgt, die wir nachher opfern dürfen. Nach einer Reinigung der Hände, einer tiefen Verbeugung vor dem Altar mit um 90 Grad gebeugtem Oberkörper und dem Zusammenlegen unserer Hände (die linke Hand ist dabei etwa ein Fingerglied über der rechten Hand, da sie die göttliche Seite symbolisiert), dürfen wir zu Buddha nach Nennung unseres Namens mit vollständiger Adresse inklusive Hausnummer und Postleitzahl beten und ihm unseren innigsten Wunsch vortragen. Klingt seltsam? Alles wohl eine Frage der Gewohnheit!   

Zu guter Letzt steht heute der Fukushu-en Garten auf unserem Programm. Dieser nach chinesischem Vorbild angelegte Garten befindet sich im Herzen der Stadt und ist überaus sehenswert. Bei einem gemächlichen Spaziergang entlang der verwinkelten Wege und über kleine Brücken hinweg, lassen wir die charmante Atmosphäre genüsslich auf uns wirken.
Dann kehren wir mit leichter Verspätung zum Schiff zurück, aber es gab einfach so viel zu sehen und zu erklären....

 

 

 

Tag 7 - Shanghai

 

Gibt es den perfekten Tag? Wenn ja, dann war unser heutiger schon ziemlich nah dran! Es begann schon mal mit schönem Wetter in Shanghai und einer klaren Sicht - eine Seltenheit hier, denn normalerweise hängt immer eine Dunstglocke über der Stadt. Bei 24 Millionen Einwohnern und 8 Millionen Autos kein Wunder. Diese Blechmassen sorgen dann auch dafür, dass es täglich unendlich viele Staus gibt und, wie sagte unser Guide Xu so schön, die Autobahnen von den Shanghaiern immer gern als kostenlose Parkplätze genutzt werden. Ist natürlich ein Spaß....
Knapp 6 Millionen Menschen entscheiden sich daher täglich mit der S-Bahn zu ihrer Arbeitsstätte zu fahren. Das ist aber auch kein Vergnügen, denn um die Massen bewältigen zu können müssen während der Rushhour schon mal bis zu 8 Menschen auf einem Quadratmeter zusammengepfercht stehen. Relativ kleine Chinesen zwar, aber dennoch alles andere als gute und angenehme Bedingungen. Stau und S-Bahn bleiben uns dagegen erspart, denn wir fahren mit unserem eigenen Bus die etwa 50 Minuten vom außerhalb gelegenen Wusongkou Terminal in die Stadt und der Verkehr läuft ausnahmsweise recht flüssig. Während der Fahrt versorgt uns Xu mit den wichtigsten Informationen über seine Heimatstadt Shanghai und scheint sichtlich stolz auf sie zu sein. Innerhalb der letzten drei Jahre entstanden so viele neue Hochhäuser, dass er selbst den Überblick verloren hat, gesteht er. Aber es macht ihn, wie gesagt, auch stolz, dass es dort so boomt. Die zweitgrößte Stadt Chinas und der Welt ist Shanghai (hinter Chonqing), bietet aber genügend Superlativen für eine Nummer 1. Die erste Transrapid Strecke Chinas, die erste U Bahn, die erste Fernsehwerbung, die erste Modenschau, die erste Wasserleitung, die höchsten Häuser, der größte Hafen - und dadurch ist sie auch die Partnerstadt Hamburgs. Darüber freuen sich natürlich besonders unsere Hamburger Gäste.

Wir kommen zum Jinmao Tower. Er ist zwar nur der dritthöchste Shanghais, liegt aber im Stadtteil Pudong direkt neben bzw. vor den beiden größeren, und bietet somit beste Aussichten auf diese sowie auf das gesamte Stadtgebiet unter uns. Von einer umlaufenden Glasscheibe kann man darüber hinaus vom 88. Stockwerk auf die in der 55. Etage gelegene Lobby des Hyatt Hotels hinunter schauen. Wir genießen also den klaren Blick über Shanghai ohne Dunstglocke und staunen über dieses Häusergewirr unter uns.

Es geht weiter zum Tempel des Jadebuddha. Im Nordwesten befindet sich dieser kulturell und religiös wohl wichtigste Tempel der Stadt. Er strahlt eine solch angenehme Ruhe aus, wie man sie sonst nur selten inmitten einer Großstadt findet. Der Jadebuddha selbst thront etwas abseits in einem hinteren Gebäude der Anlage. Er sitzt erhöht in einem separaten Raum, ist etwa 150 cm hoch und wurde aus einem einzigen Stück dieses schwer zu bearbeitenden Steins gearbeitet. Sehr beeindruckend. Fotografiert werden darf er übrigens nicht, und darauf wird auch peinlichst genau geachtet.

Eine Seidenweberei besuchen wir anschließend. Hier wird uns sehr anschaulich vorgeführt, wie beispielsweise die Herstellung von Bettdecken aus Seide vor sich geht. Manche von uns dürfen auch mal beim Ausbreiten eines Seidenkokons helfen und diesen als eine von etwa 80 - 120 Lagen (je nach Dicke der Decke) auf die anderen legen. Dass es danach noch "zufällig"  durch einen Verkaufsraum ging, stört keinen. Im Gegenteil: Es wird die Gelegenheit genutzt, sehr preisgünstig diverse Artikel aus Seide zu erstehen.

Gegessen haben wir heute übrigens auch, und zwar in einem Restaurant, in dem wir die einzigen Touristen sind - und das ist gut so. Inmitten von sich laut unterhaltenden und lärmenden Chinesen tauchen wir so richtig ins Leben ein und genießen dabei deren äußerst schmackhaftes Essen. Nein, keinen Hund und auch keine Katze, Schlange oder Hühnerfüße, sondern ganz "normale" Gerichte.  
Übrigens: Wussten Sie, dass Chinesen keinen Käse essen? Sie finden ihn eklig und verstehen schon gar nicht, dass man auch noch verschimmeln lassen und dann als Delikatesse verkaufen kann!
Manchmal sind wir doch etwas eingeschränkt in unserer Urteilsfindung und zu sehr auf uns bezogen....

Es folgt ein Besuch der Altstadt. In bestens und liebevoll rekonstruierten Häusern kommt so richtiges China-Gefühl auf. Ein Gewirr von engen Gassen zieht sich durch diesen von niedrigen Bauten geprägten Stadtteil. Wäsche hängt zum Trocknen vor den Fenstern, eine alte Dame öffnet ihre Haustür und bringt den Müll heraus, Garküchen an jeder Ecke, Männer sitzen in einem Park und spielen Karten. Auch das kann Shanghai sein.
Wir haben genügend Freizeit, um uns auf eigene Faust noch den Retro-Teil der Altstadt anzuschauen. Neben unzähligen Souvenirläden gibt es auch interessante Geschäfte mit beispielsweise wunderschönen Tee-Geschirren aus feinstem Porzellan, oder viele Manufakturen, in denen ganz individuelle Armreifen aus Silber hergestellt und dem/der Träger/in vor Ort gleich angepasst werden.
Über eine Zick-Zack-Brücke (die auch genauso heißt) geht es über eine große Teichanlage mit hunderten von Kois zum Teehaus, in dem man eben dieses Getränk in vielfacher Zubereitungsart trinken und genießen kann. Die Zubereitung ist schon fast eine Wissenschaft für sich, und so werden auch spezielle Tee Zeremonien angeboten, die sich jedoch teilweise über Stunden hinziehen und daher unseren zeitlichen Rahmen sprengen. Aber wer möchte und vielleicht länger in Shanghai ist, sollte sich solch eine Zeremonie unbedingt mal gönnen.
Nicht vergessen zu erwähnen ist natürlich noch der Yu-Garden, der am anderen Ende der Zick-Zack-Brücke liegt und absolut einen Besuch wert ist.

Bleibt noch als wichtige Sehenswürdigkeit der Bund, diese Uferstraße entlang des Huangpou Flusses. Auf der einen Seite erstrahlen Prachtbauten aus der Kolonialzeit, auf der anderen futuristische Wolkenkratzer mit über 600 Metern Höhe. Es ist schon 17 Uhr und die langsam untergehende Sonne taucht das gegenüber liegende Ufer mit dessen Hochhäusern in ein weiches Licht. Die Sonnenstrahlen werden von einigen Fassaden reflektiert und spiegeln sich im Fluss. Ein traumhaftes Panorama!

Jetzt gäbe es nur noch eine Steigerungsmöglichkeit: eine nächtliche Flussrundfahrt entlang dieser Skyline. Gesagt, getan! Unser Reiseleiter organisiert kurzfristig die entsprechenden Plätze für uns auf einem der farbenfrohen Ausflugsschiffe und kurze Zeit später stehen wir an der Reling und lassen die in allen Farben des Regenbogens beleuchteten Häuser auf beiden Seiten des Flusses an uns vorüber ziehen. Spektakulär! Danke Xu!  

 

 

Ein "Stehtag" und zwei Seetage

 

Nachts um 3 Uhr wird plötzlich der Anker geworfen. Auf hoher See?
Manche von uns werden wach und schauen mal nach. Es ist extrem neblig draußen und statt zu fahren stehen wir. Da man sowieso nichts sehen kann geht es also wieder ins Bett. Morgens nach dem Aufwachen dasselbe Bild. Alle wundern sich und rätseln. Dann um 10 Uhr die Aufklärung des Kapitäns über Lautsprecher: Wir liegen noch innerhalb der 12 Meilen Zone vor Shanghai im Delta des Yangtse Flusses und aufgrund des Nebels konnten die chinesischen Behörden ihren Lotsen, der bei uns an Bord ist, nicht wieder abholen. Dies ist offensichtlich bei mehreren Schiffen der Fall, und so haben die Behörden den gesamten Schiffsverkehr in diesem Gebiet stillgelegt .
Das ist ja mal was anderes und für alle von uns eine Premiere, wobei man auf solch eine Premiere gut verzichten kann. Es steht außer Frage, dass die Millennium trotz des Nebels problemlos weiterfahren könnte, denn wir haben alle sicherheitsrelevanten Instrumente an Bord  Aber der Lotse möchte eben nach Hause....
Dies schafft er aber erst etwa 18 Stunden später, denn gegen 20 Uhr lichten sich die Nebel kurz und der Zeitpunkt ist gekommen, um Goodbye zu sagen. Danach geht es für unser Schiff also endlich weiter Richtung Japan, doch der Hafen von Nagasaki muss aufgrund der Verspätung ersatzlos gestrichen werden. Leider, aber das ist nun mal Höhere Gewalt.

Es folgen zwei Seetage ohne Zwischenfälle und mit ganz viel Zeit zum Ausschlafen....

 

 

Tag 11 - Kyoto und Kobe

 

Kobe ist eine 1,5 Millionenstadt, was man ihr auf den ersten Blick nicht anmerkt. Das scheint vom Schiff aus recht übersichtlich auszusehen. Doch zunächst ist Kobe unser Hafen für die Millennium, von dem aus wir in den kommenden zwei Tagen Ausflüge in die Umgebung planen. Der erste soll uns heute nach Kyoto führen, der alten Kaiserstadt. Dafür müssen wir uns aber erst einmal durch die Formalitäten durchkämpfen - Passkontrolle, Fingerabdruck der beiden Zeigefinger, und dann kontrolliert der Zoll auch noch fast jede Tasche bzw. Rucksack. Gut, dass wir mit unserer Gruppe zu den ersten gehören, die von Bord dürfen. Nachdem alles erledigt ist, erwarten uns gleich zwei Reiseleiter mit unserem M'OCEAN Schild: Mr. Koda und Kato. Der erste schon im fortgeschrittenen Alter, der einen leicht zerstreuten Eindruck macht, und Kato, ein jugendlich wirkender, hagerer Mann mit längeren Haaren und Brille. Er ginge fast für Ende zwanzig durch, ist jedoch schon Anfang vierzig, verheiratet und hat zwei Kinder. Tja, die gesunde japanische Lebensweise hat ihn wohl so jung gehalten.... Kato werden wir auch die nächsten vier Tage inklusive unserer Verlängerung in Tokyo wiedersehen. Doch zuerst stellet sich heraus, dass Mr. Koda quasi der "Hauptreiseleiter" ist und Kato sein "Schüler". Mr. Koda erklärt auf Japanisch und Kato übersetzt dies ins Deutsche. Soweit die Theorie...

Auf unserem Weg nach Kyoto scheint es nicht viel zu erklären zu geben, daher nutzen manche von uns die Gelegenheit, den versäumten Schlaf von letzter Nacht fortzusetzen. Dann kommen wir an und wundern uns: in der alten Kaiserstadt dürfen keine Hochhäuser gebaut werden, was sich sehr positiv auf das Stadtbild auswirkt. Kaum ein Haus ist höher als drei Stockwerke. Glücklicherweise, denn das macht den besonderen Charme des idyllischen Kleinods aus. Dafür gibt es dort etwa zweieinhalbtausend Tempel und Schreine!
Der Unterschied? Die Religion! Tempel sind buddhistischen Ursprungs und Schreine shintoistisch, der japanischen "Variante" des Buddhismus, die sich stark an der Natur und der Ahnenverehrung orientiert.
Schon im 8. Jahrhundert gegründet, war Kyoto das politische und religiöse Zentrum Japans. Mit dem Aufstieg der Samurai ab dem 17. Jahrhundert kam dem Tenno allerdings nur noch eine symbolische Bedeutung zu und er büßte an Einfluss ein. Das heutige Tokyo wurde das neue Machtzentrum.

Als erstes Highlight des Tages erwartet uns der Fushimi Inari Schrein, einer der schönsten Schreine ganz Japans. Berühmt ist er vor allem für seine tausenden zinnoberroten Tori-Gates (Tore), die durch verschiedene Wege zum 233 Meter hoch gelegenen Berg hinter dem Schrein führen. Es gibt diese Tore in unterschiedlichen Größen und man kann man sie sich auch "kaufen". Für eine Spende in entsprechender Höhe wird man Pate und darf seinen  Namen dort verewigen. Allerdings dauert diese Ewigkeit nur ein Jahr, denn dann ist es entweder vorbei mit der Namensgebung, oder aber man darf nochmals die Opferkasse des Tempels füllen. Und je nach Höhe des Betrages wird natürlich auch die entsprechende Höhe des Gates festgelegt. Eine pragmatische Lösung - für die Mönche....

Doch wie auch immer, es ist ein besonderes Gefühl, unter diesen eng gestellten Toren in deren warmen, orangefarbenen Licht entlangzulaufen. Insgesamt ist die Strecke jedoch etwa vier Kilometer lang, und so begnügen wir uns mit einem kürzeren Stück. Auf dem Rückweg zum Bus passieren wir, wie bereits auf dem Hinweg, viele Stände, die mit ihren Köstlichkeiten zum Verweilen einladen. Diverse Fleisch- und Wurstsorten vom Grill, aber auch Reis, Maiskolben, oder Wachteln werden hier zum Verkauf angeboten. Unglaublich bunte und verlockende Süßigkeiten sowieso.

In knapp 40 Minuten fahren wir mit unserem Bus zum nächsten Ziel: dem Kinkakuji Tempel (Goldenen Pavillon). Erhaben steht dieses Gebäude auf einer Halbinsel umgeben von einem See und strahlt eine gleichermaßen natürliche wie majestätische Erhabenheit aus. Die oberen zwei Stockwerke sind mit Blattgold überzogen und waren ursprünglich der Altersruhesitz des Shoguns Ashikaga Yashimatsu. Nach dessen Tod im Jahre 1408 wurde dieses beeindruckende Gebäude gemäß seines Wunsches in einen Zen-Tempel umgewandelt. Es ist das einzig erhaltene Bauwerk aus dem ehemaligen Wohnkomplex des Shoguns - doch was für eines! Eingebettet in eine wundervolle Gartenanlage, laden malerische Spazierwege mit immer wechselnden Aussichten auf den Kinkakuji zum Verweilen ein.

Haben Sie schon einmal Shabu-Shabu gegessen? Wir noch nicht, und so lassen wir uns überraschen. Wir betreten ein typisch japanisches Restaurant aus viel hellem Holz an den Wänden und mit Tatami-Matten auf den Fußböden. Daher werden wir zuerst gebeten, die Schuhe auszuziehen, und betreten danach die kleinen Separées, in den wir uns auf den Boden setzen und unsere Beine in unter dem Tisch befindlichen Aussparungen verschwinden lassen. Etwas ungewöhnlich und umständlich, doch wenn man dies erst einmal geschafft hat, durchaus bequem.
Ein zweigeteilter Topf mit jeweils einem Teil brodelnder Brühe und klarem Wasser steht in der Mitte eines jeden Tisches. In diese Flüssigkeiten werden nun ganz fein geschnittene Fleischscheiben eingetaucht, nach kurzem Wenden wieder herausgeholt, um anschließend sofort verzehrt zu werden. Eine Art Fondue also. Das gleiche passiert mit dem bereitgestellten Gemüse. Die dazu gereichten rohen Eier sollten zum Essen allerdings in eben diesem Garzustand (also roh) verbleiben und einfach nur über das Fleisch gegossen werden. Dies ist den meisten von uns allerdings nicht ganz geheuer, und so werden die unterschiedlichsten Methoden ausprobiert um die Eier in einen für uns schmackhafteren Zustand zu überführen - oder aber man verzichtet eben ganz darauf.
Was und wie auch es immer gegessen wurde, es hat auf jeden Fall sehr gut geschmeckt, und alle sind wir nun um eine Erfahrung reicher.
Das Wort Shabu-Shabu soll übrigens von dem Geräusch stammen, welches das Fleisch beim Eintauchen in die heiße Brühe von sich gibt. Für japanische Ohren wohlgemerkt, unsere waren da wohl nicht fein genug.

Auf dem Weg zum Restaurant kamen wir an einer höher gelegenen Tempelanlage vorbei und beschließen nach dem Essen spontan, diese zu besuchen. Junge Mönche verteilen davor Informationsmaterial und wir als nach vielen Treppen am oberen Eingang ankommen, ruft Kato einen der Mönche zu uns, so dass wir ihm Fragen zu seinem Leben und Alltag stellen können. Zum Beispiel: Warum wurde er überhaupt Mönch? Sein Vater und Großvater waren es auch schon. Eine pragmatische Betrachtungsweise, die jedoch stundenlange Diskussionen auslösen könnte...    

Nach all den Tempeln und Schreinen tut eine Abwechslung mal ganz gut, und wenn sie auch noch Spaß macht, umso besser! Auf dem Weg durch die Stadt fielen uns nämlich einige in Kimono gekleidete junge Damen auf, die sich in dieser traditionellen Tracht auch gern von uns fotografieren ließen. Diesen Spieß wollen wir nun umdrehen und besuchen einen Kimono Verleih. Nach Geschlechtern getrennt, wird uns Freiwilligen eine große Auswahl an Farben und Stoffen angeboten, um sie nach dem Zusammenstellen der Garderobe (inklusive einem passenden Täschchen zum Aufbewahren der Wertsachen) von einer erfahrenen Kimono-Binderin auf den Leib gebunden zu bekommen. Gut, dass die Kreuzfahrt noch nicht so lange gedauert hat, denn die Kleidung liegt schon recht eng an - oder liegt das gar nicht an uns?    
Danach stellen wir uns der Öffentlichkeit und treffen uns vor dem Laden auf der Straße wieder. Das Hallo ist groß und viele ehrlich gemeinte Komplimente werden ausgetauscht. Wir sehen ausnahmslos alle wirklich unverschämt gut aus!

Auf der Rückfahrt im Bus zeigt uns unser Reiseleiter Herr Koda noch ein Video mit einigen japanischen Komikern, die in englischer Sprache ihre Sketche vorführen. Gleich zu Beginn versucht sich einer der Protagonisten an der Fragestellung, ob Japaner überhaupt komisch sein können....nun, das muss wohl jeder für sich entscheiden, auf jeden Fall gibt uns das Video einen neuen und interessanten Einblick in die japanische Kultur.

Wir sind am Schiff angekommen. Eine kleine Gruppe von Unermüdlichen trifft sich nach einem schnellen Abendessen, um gemeinsam die Stadt unsicher zu machen. Schließlich liegt die Millennium heute über Nacht im Hafen und Kobe scheint so einiges zu bieten. Es geht also zunächst mit einem kostenlosen Shuttle-Bus vom Hafen in die Innenstadt, direkt vor die Tore von Chinatown. Und da ist es schon, das Objekt unserer Begierde: Kobe Beef! Diese spezielle Wagyu-Rind mit geschützter Herkunftsbezeichnung ist natürlich etwas ganz Besonderes. Mindestens 24 Monate Heranwachsen bei klassischer Musik, spezielle Massagen der Muskelpartien mit Bier, sowie eine ausgewählte, hochwertige Ernährung - ich spreche hier nicht vom Züchter, sondern vom Rind!
Das hat natürlich alles seinen Preis, aber zwei von uns erliegen der Versuchung, dieses einmal zu kosten. Ein Straßengrill in Chinatown zelebriert das kurze Grillen des Fleisches geradezu. Das Wasser läuft uns im Munde zusammen. Ein kurzer Blick, und Christoph und ich sind uns einig: das etwa Gulasch-große Stück Fleisch liegt noch im Budget, also wird bestellt.
Außerdem: wer kann schon von sich behaupten, schon einmal Kobe Rind in Kobe gegessen zu haben. Allein das war die Investition schon wert!

 

 

Tag 12 - Osaka

 

Osaka ist Japans drittgrößte Stadt und hat einiges zu bieten. Auch wenn sie heute ein Zentrum des modernen Handels ist, gehen ihre Wurzeln bis ins 7. Jahrhundert zurück, aus dem noch einige großartige Sehenswürdigkeiten erhalten sind. Osaka ist mit seinem Kontrast von alten und neuen Gebäuden architektonisch sehr interessant, gilt jedoch ebenfalls als japanische Hochburg für kulinarische Genüsse.
In einer relativ kurzen Busfahrt von 40 Minuten sehen wir, dass die beiden Städte Kobe und Osaka fast nahtlos ineinander übergehen. Häuser überall. Nur in der Höhe derselben unterscheiden sich die beiden Innenstädte.
Morgens scheint die Sonne und so haben wir Glück, dass unser Hauptziel sich heute im schönsten Wetter präsentiert: das Schloss von Osaka.
Es thront inmitten der Stadt und ist umgeben von tiefen Wassergräben und der dicksten Mauer, die wir nach der Chinesischen Mauer gesehen haben. Das Beeindruckendste daran ist vor allem die Größe der zum Mauerbau verwendeten Steine - einfach unglaublich. Der größte von ihnen misst etwa 5 x 10 Meter und wurde nicht nur bearbeitet, sondern auch noch hierher transportiert!
Wir erfahren, dass der Schogun seinen Samurai damals befahl, bei ihrem Besuch von Osaka jeweils einen großen Stein als Geschenk mitzubringen. Jeder wollte dabei natürlich den anderen übertrumpfen um in der Gunst seines Herren nach oben zu kommen, und so wuchs die Größe der mitgebrachten Steine zusehends. Aufgrund ihrer Größe gab man ihnen sogar Namen. Der Tako-Ishi, oder auch Octopus-Stein genannt, wiegt dabei geschätzte 130 Tonnen und wurde wahrscheinlich mi dem Schiff hierher transportiert.
Das Schloss selbst wurde leider während der letzten Jahrhunderte mehrmals zerstört. Nach alten Plänen ließ man es jedoch immer wieder aufbauen, so dass es heute mit seinen fünf Stockwerken weithin sichtbar aus seinem ihn umgebenden Park herausragt.

Weiter geht es vom Schloss zur schrillen Umgebung von Dotonbori mit seiner gleichnamigen Einkaufsstraße. Einige junge Männer bringen eine nicht mehr gehfähige und wohl restlos betrunkene Frau aus einer Bar in ein Taxi - am frühen Morgen! Als absoluter Gegenpol dazu betet eine ältere Frau in einem kleinen Tempel gleich um die Ecke. Viele Restaurants, Bars und Einkaufsläden werben mit knallbunten Aushängen und Plakaten um Kunden. In unserer knapp einstündigen Freizeit gibt es also einiges zu entdecken.           

Nach einer kurzen Busfahrt kommen wir anschließend in den Stadtteil Namba, wo es wesentlich ruhiger zugeht. An einem Park vorbei spazieren wir zum mit über 300 Metern Höhe höchsten Wohn- und Geschäftshaus Japans, dem Abeno Harukasu . Die unteren 15 Stockwerke gehören dabei edlen Geschäften und Boutiquen und machen daraus einen echten Konsumtempel . Auf der 16. Etage ist unter anderem ein Cafe untergebracht, in dem wir es uns mit einem tollen Blick über die Stadt bequem machen.
Auf dem Weg zurück zum Bus gehen wir über einen eigens angelegten Fußgänger-Kreisverkehr in luftiger Höhe über eine große Kreuzung hinweg.  Sicherlich eine Besonderheit für viele von uns.
Die Millennium legt heute nach eineinhalb Tagen Liegezeit in Kobe um 14 Uhr wieder ab, so dass wir allmählich zum Schiff zurückfahren müsen. Unser Reiseleiter Herrn Koda verabschiedet sich von uns und Kato sehen die meisten am nächsten Tag im Hafen von Shimizu wieder. Bis dahin....

 

 

 

Tag 13 - Shimizu und Mount Fuji

 

Das Wetter war schlechter vorhergesagt, und so freuen wir uns über den ein oder anderen blauen Fleck am Himmel. Die Durchsage des Kapitäns sorgt für weitere Erheiterung: Auf 2 Uhr sollte theoretisch der Mount Fuji zu sehen sein - doch außer Wolken sehen wir da nichts. Na ja, vielleicht klappt es ja mit einem Blick auf den Heiligen Berg, wenn wir näher dran sind - der soll nämlich auch Glück bringen. Also los...!

Kato empfängt uns wieder mit unserem M'OCEAN Schild in der Hand - und mit einem neuen "Lehrmeister". Der ist aber noch schweigsamer als der erste, also erzählt uns Kato auf dem Weg zum Berg heute etwas aus seinem Privatleben und von seiner Ausbildung. Prima!
Wir haben eine Art Rundreise vor uns, denn zunächst besuchen wir das Dorf Hakone, das das Zentrum des gleichnamigen Nationalparks ist. Dazu müssen wir von Meereshöhe über einen etwa 1.000 Meter hohen Pass fahren. Auf dem Weg dorthin sehen wir viele Teeplantagen, in denen der Grüne Tee geerntet wird, für den diese Gegend auch berühmt ist. Große Bambuswälder passieren wir ebenfalls und stellen generell fest, dass diese Gegend hier unwahrscheinlich grün und fruchtbar ist. In Hakone angekommen, erwartet uns ein typisch japanisches Mittagessen mit Suppe uns vielen kleinen Schälchen mit Leckereien. Es bleibt nach dem Essen auch noch Zeit für einen kleinen Spaziergang durch das Dorf oder entlang des Sees.

Anschließend fahren wir weiter Richtung Berg, der sich allerdings immer noch nicht zeigt und in dicke Wolken gehüllt ist. Erste Zweifel kommen auf: gibt es ihn überhaupt?

An einer Seilbahnstation wechseln wir unser Beförderungsmittel an und steigen in Gondeln um, die uns immer weiter hinauf in den Hakone Nationalpark  bringen. Vor dem Besteigen verteilt man an uns Tücher und gibt uns zu verstehen, dass wir uns diese vor die Nase halten sollen. Wozu?
Des Rätsels Lösung kommt später, als wir mit der Gondel einen Bergkamm überqueren und sich unter uns die Landschaft schlagartig verändert: Es sieht fast aus wie in einer Wüste. Alles karg und abgestorben, dazwischen dampfende und brodelnde Schwefelquellen. Und dass Schwefelwasserstoff nach faulen Eiern riecht, daran können wir uns nach unserem teilweise länger zurückliegenden Chemieunterricht spätestens jetzt wieder erinnern. Also her mit den vorhin verteilten Tüchern, wobei deren Geruch für manche auch nicht angenehmer zu sein scheint.... 
Wir steigen an der nächsten Station aus den Gondeln aus und werfen einen genaueren Blick auf diese vulkanischen Berg vor uns, den Owakudani. Der Wind steht günstig, und so werden wir auf der Aussichtsterrasse vom strengen Geruch ziemlich verschont. Schnell ein paar Fotos gemacht und dann geht's weiter mit der nächsten Gondel hinunter Richtung Tal.

Und wo ist der Berg? Da! Ganz kurz, wirklich nur für Sekunden, zeigt sich der linke Hang mit einem großen Schneefeld und verschwindet dann wieder in den Wolken, als ob es ihn nicht gegeben hätte. Aber es war keine Fata Morgana, darüber sind wir uns alle einig!

Unten angekommen, steigen wir auf das nächste Verkehrsmittel um, nämlich auf ein nachgebautes Piratenschiff, das uns in knapp 30 Minuten über den Ashi See bringt. Am Einstiegspunkt sehen wir schöne Bilder und Postkarten vom Mount Fuji im Sonnenschein mit blühenden Kirschbäumen am Seeufer. Nun, die Kirschbäume wären da....

Unsere Rundreise ist beendet und wir landen wieder in Hakone, dem Ort, in dem wir vorhin schon zu Mittag gegessen hatten. Bevor es jedoch wieder zurück zur Millennium nach Shimizu geht, machen wir noch einen kleinen Abstecher zu einem Park, in dem ganz viele blühende Kirschbäume stehen. Ein wahres Fest für die Augen! Offensichtlich ist dieser Park auch so beliebt, dass sogar Hundebesitzer eigens anreisen um ihre geliebten Vierbeiner vor diesem Blütenmeer abzulichten. Wir beobachten, wie beispielsweise zwei Akitas (danke Melli!) auf eine Art Podest vor einen der Kirschbäume gestellt werden. Ihr Besitzer hat eine ziemlich teure Kamera dabei und fotografiert die beiden aus allen Lagen. Das machen wir natürlich auch, denn die Akitas sind eine uralte japanische Hunderasse und gelten als Glücksbringer.

Als wir uns mit dem Bus nach schon fast einer Stunde Fahrzeit mitten auf der Autobahn befinden, zeigt Kato plötzlich nach rechts und ruft: "Der Berg!" Und tatsächlich, da steht er. Zwar in edlem Grau mit viel Wolken drum herum, aber dennoch fast komplett zu sehen. Schnell die Kameras gezückt und schon mal ein paar Bilder gemacht. Besser ist besser. Denn als wir den nächsten Parkplatz ansteuern und aussteigen können, beginnt er sich wieder zu verschleiern.
"Wie ein schüchternes Mädchen", sagt Kato.    

 

 

Neuer Kommentar

0 Kommentare

Blog Archiv

2016 (85)

Dezember (1) November (1) August (3) Juli (4) Juni (2) Mai (8) April (7) März (11) Februar (23) Januar (25)